Die Chronik des Männergesangvereins Raeren

Unser Chor wurde im Jahre 1854 unter der Bezeichnung 'Cäcilia - Gesangverein Raeren' ins Leben gerufen. Unter der umsichtigen Führung seiner unermüdlichen Dirigenten und Vorstandsmitglieder und gestützt durch eine allzeit große Gönnerschar überbrückte der Chor sämtliche Höhen und Tiefen eines langen und erlebnisreichen Vereinslebens.
Im Laufe der Jahre trat der Chor, neben seinen sonntäglichen Gesangspflichten in der Kirche, mehr und mehr auch als weltlicher Gesangsverein ins öffentliche Volks- und Konzertleben ein. Durch das letzte Vatikanische Konzil sahen sich viele Kirchenchöre in ihrem Mitwirken im sonntäglichen Kirchendienst beeinträchtigt; unser Chor, inzwischen in Männergesangverein Cäcilia Raeren umgenannt, leistet heute noch an allen hohen Festtagen seinen gesanglichen Beitrag in der Kirche.
Mehrmals in der jüngeren Vergangenheit stellte sich der Chor erfolgreich den Anforderungen der durch das ostbelgische Kultur-Ministerium organisierten 'Einstufung der Chöre'; augenblicklich gehört unser Chor der Leistungsstufe '1. Kategorie' an. Konzerte innerhalb unserer Deutschsprachigen Gemeinschaft, Konzertfahrten zum In- und Ausland sowie Auftritte im Rundfunk haben dem Chor große Beachtung und Anerkennung eingebracht.

Chronik 1854-1917

Gründung als "Pfarrgesangverein"
Es war am 30. Juli des Jahres 1854, als der damalige Raerener Pfarrer Joseph Sünn an die 20 Bürger versammeln konnte, die auf seine Veranlassung freudig und einstimmig beschlossen, einen Pfarrgesangverein zu gründen. Laut den noch erhaltenen Originalsatzungen verpflichteten sich die Mitglieder, "mit vereinten Kräften zur Förderung des Kirchengesangs zusammenzuwirken".
Küster Zimmermann tat sein Bestes, um den noch sangesunkundigen jungen Verein zu dirigieren, doch wurde er schon nach zwei Jahren von Niklas Havenith abgelöst. Die Proben fanden jeden Sonntagnachmittag "nach dem Rosenkranz" um halb fünf Uhr statt, und zwar in dem oberen Saal des heutigen Gemeindehauses. Der ursprüngliche Zweck des Vereins war also religiöser Art. Mit der Zeit wurden auch weltliche Lieder eingeübt und bei offiziellen Feiern oder als Ständchen vorgetragen.
Fast 20 Jahre lang dirigierte Lehrer Havenith den Gesangverein und brachte ihn auf eine anerkennenswerte Leistungsstufe. Die Mitglieder mussten finanzielle Opfer bringen, um das nötige Notenmaterial anzuschaffen. Seit 1872 erhielt der Verein eine kleine finanzielle Beihilfe durch die Kirchenverwaltung, ein Zeichen, dass die Leistungen auch dort gewürdigt wurden. Die Mitgliederzahl stieg allmählich auf 30 an; das war wohl das besondere Verdienst von Präses Sünn, der dem Verein zeitlebens ein tatkräftiger Helfer und Leiter war.
Nachfolger des Herrn Havenith am Dirigentenpult wurde der bisherige Küster Johann Joseph Creutz. Laut Statuten war der Dirigent gleichzeitig Präsident. Nur sechs Jahre, bis 1881, leitete er den Verein. Eine besondere Erwähnung verdienen die beiden Raerener Kapläne und Ehrenpräsides Ludwig Hennes und Peter Schmitz, die sich sehr den Bestrebungen des Kirchenchores gewidmet haben und von denen der letztere auch häufig bei den Proben anwesend war. Wenn auch Herr Creutz nur wenige Jahre dem Verein vorstand, so wusste er doch durch seine meisterhafte Stabführung und seine musikalische Veranlagung den Chor so zu kultivieren, dass dieser bei allen Veranstaltungen innerhalb und außerhalb des Gotteshauses als gediegener Klangkörper mitwirkte. Die in jahrelanger Kleinarbeit durchgeführte Schulung der Sänger wirkte sich allmählich aus. Nach seinem Tod übernahm das Mitglied Winand Kalff vorläufig seinen Posten. Zu Beginn des Jahres 1891 hatte der Sohn des alten Dirigenten, Leonhard Creutz, sein Studium am Gregoriushaus in Aachen beendet und konnte nun - im jugendlichen Alter von 19 Jahren - die Nachfolge seines Vaters antreten. Sein Wirken im Raerener Kirchenchor dauerte allerdings nur bis zu seiner Versetzung im Jahre 1896. Bis 1918 war dann der neue Küster und Organist Gottfried Kehren gesanglicher Leiter des Vereins. Herr Kehren war nicht nur ein vorbildlicher Küster, dem an der sinnvollen Ausschmückung des Gotteshauses viel gelegen war, sondern auch ein ausgezeichneter Musiker. 75 Kompositionen, die er speziell für den Raerener Kirchenchor schrieb, geben Zeugnis von seinem Schaffen.
Der neue Pfarrer von Raeren, Carl Greven, war auch nur kurze Zeit hier tätig; ein plötzlicher Tod raffte ihn 1908 hinweg. Sein Nachfolger Ignaz Kahlen jedoch setzte sich als Präses mit manch guter Anregung für den Verein ein. Ein schwerer Schlag war es, als bei Kriegsausbruch eine ganze Anzahl Mitglieder zu den Fahnen gerufen wurde und so das normale Vereinsleben beinahe ganz zum Erliegen kam. Auch der Dirigent rückte ins Feld. Zwölf junge hoffnungsvolle Mitglieder kehrten nicht mehr aus dem Weltkrieg zurück: der dritte Teil der ganzen Sängerschar!
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Zu diesem Verlust gesellte sich der Wechsel im Amt des Präses: Pfarrer Schagen war seit 1917 den übriggebliebenen Mitgliedern in den schweren letzten Kriegsjahren und in der Nachkriegszeit ein treuer und nimmermüder Helfer.

Chronik 1918-1946

Von 1918 bis 1920 blieb der Kirchenchor ohne Dirigent; das Mitglied Eberhard Cüpper und der Klaviervirtuose Arnold Gielen übernahmen aushilfsweise während dieser Zeit das Dirigat. 1920 endlich wählten die Sänger den jüngeren Sohn des vorbenannten Dirigenten Johann Joseph Creutz, Nikolaus, zu diesem Amt. Während seiner Amtsperiode erfolgte ein neuer Wechsel im Amt des Präses; Pastor Toussaint Huynen befasste sich jedoch nur wenig mit dem Verein. Infolge Meinungsverschiedenheiten innerer Art wählte der Verein 1925 einen neuen Dirigenten, Leonard Kever. Unter seiner Leitung erholte er sich schnell von den Kriegswunden; das beweist am besten das Anwachsen der Mitgliederzahl von 30 auf 56 innerhalb weniger Jahre.
Kurz vor dem 75jährigen Stiftungsfest trat der neue Pfarrer von Raeren, Pastor Pierre Mommer, sein Amt als Präses an. Ihm verdankt der Chor vor allem die Beilegung der damaligen Meinungsverschiedenheiten und ein sehr reges Interesse für die Belange des Chores. Die Blütezeit in den 30er Jahren fand ein gewaltsames Ende durch den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges und den Staatenwechsel. Wiederum wurden viele Sänger eingezogen, wieder kehrten nicht alle zurück und außerdem lebte der Verein unter der dauernden Drohung der Auflösung durch die damalige kirchenfeindliche Staatsobrigkeit. Pfarrverwalter Joseph Engels jedoch war in diesen schweren Jahren eine ausgezeichnete moralische Stütze.
Von 1944 bis 1946 ruhte das Vereinsleben fast ganz; erst allmählich kehrten die Sänger aus den Gefangenenlagern heim und zum Verein zurück.
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Auch für den Raerener Männergesangverein war der Neuanfang nach dem Krieg in mancher Hinsicht schwierig. So mussten die Lücken, die durch den Krieg entstanden waren, wieder gefüllt werden. Franz Kohnemann, der langjährige Präsident des Chores (1925-1944), und fünf weitere Vereinsmitglieder waren im Zuge des unseligen Krieges verstorben. Jean Emontspohl wurde Präsident des Vereins (1947-49) und Michel Kohnemann, Sohn des vormaligen Präsidenten, der seit 1936 dem Verein angehörte, übernahm nun das Dirigat, das er während elf Jahren innehaben sollte.
Hubert Peters trat als Nachfolger von Jean Emontspohl an und blieb zwölf Jahre lang unangefochtener und geschätzter Präsident des Chores. Große Konzert- und Theaterabende wurden veranstaltet.
Die 100-Jahrfeier 1954 war der glanzvolle Höhepunkt einer Entwicklung, die Höhen und Tiefen gesehen hatte, die aber immer eng mit dem Leben der Pfarre verknüpft blieb. In den Festschriften, die aus Anlass des 75jährigen und 100jährigen Bestehens des Chores verfasst wurden, wird diese Verbindung und Verbundenheit zu Pfarre und Geistlichkeit deutlich. Der Chor verstand sich primär als Kirchenchor, und noch in den neuverfassten Statuten von 1963 wurden Zweck und Aufgaben des Vereins folgendermaßen definiert: "Hauptaufgabe des Vereins ist, an der katholischen Pfarrkirche zu Raeren den Kirchgesang im Geiste der heiligen Kirche zu pflegen und dadurch zur Verherrlichung Gottes beizutragen." Und auch die Möglichkeit einer Mitgliedschaft war eindeutig und einschränkend: "Mitglied des Vereins kann jeder unbescholtene männliche Katholik werden." Dass der regelmäßige Besuch des sonntäglichen Hochamtes oft angemahnt wurde, war nur folgerichtig, galt es doch, die zahlreich eingeprobten Messen zu Gehör zu bringen. Ansonsten war eine enge Kooperation mit der Pfarrgeistlichkeit in Bezug auf Gestaltung der liturgischen Feiern anzustreben. Der jeweilige Präses war der geistliche Berater des Vereins: so mussten - laut Statuten - die alljährlich aufgeführten Theaterstücke vorher der Pfarrgeistlichkeit zur Begutachtung vorgelegt werden.
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Erfolgreiche Theateraufführungen
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Chorausflug nach Dedenborn (um 1950) verbunden mit einem Besuch bei Pastor Engels (in Raeren während der Kriegsjahre als Priester tätig). v.l.n.r. Ernst Radermacher, Hubert Peters, Helmut Emonts, Hubert Laschet, Alex Fagnoul, Kunibert Peters, Lambert Gatzweiler, Theo Recker, Leo Vonhoff, Nikolaus Radermacher, unbekannt, Karl Emontspohl, Willy Klein, Jakob Orban, Albert Gatzweiler, Hubert Laschet, Pastor Engels, Karl-Heinz Nussbaum, Karl Wilden, Josef Creutz, Josef Peters, Nikolaus Schunck, Richard Peters, Jakob Orban, Karl Knippert, Hubert Emontspohl, Peter Dujardin, Jakob Gier, Lambert Radermacher, Gerhard Gilles, Leo Radermacher, Willy Radermacher, im Hintergrund der Reisebus der Fa. Bosten.
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Jubeljahr 1954: Der Festzug zum 100jährigen Bestehen trifft am Denkmalplatz ein. Als Soldaten in der ersten Reihe, mit Kranz, Albert Laschet und Karl Emontspohl; in der nächsten Reihe Ernst Radermacher, Paul Peters, Albert Gatzweiler; im Anschluss der Jubelverein.
Bild 8 Jubeljahr 1954: Der Festzug zum 100jährigen Bestehen trifft am Denkmalplatz ein. Als Soldaten in der ersten Reihe, mit Kranz, Albert Laschet und Karl Emontspohl; in der nächsten Reihe Ernst Radermacher, Paul Peters, Albert Gatzweiler; im Anschluss der Jubelverein.
Schwierige Grenzverhältnisse
Zum 100jährigen Bestehen des Männergesangvereins, gefeiert am 25. Juli 1954, wird ein großes internationales Gesang- und Musikfestival angekündigt. Gleich drei Jubiläen sind angesagt: 100 Jahre Chor, 300 Jahre Pfarre Raeren und 225 Jahre Raerener Pfarrkirche. Hierzu steuert die Gemeinde Raeren einen Zuschuss von 10.000 Franken bei, Schirmherr der Feiern ist Bürgermeister Johann Schumacher. Der Verein setzt 15.000 Franken an Preisgeldern ein, die unter den etwa 30 teilnehmenden Vereinen mit rund 600 Musikern und Sängern verlost werden.
Interessant sind die diversen Gründe, die angeschriebene Vereine als Grund ihrer Nichtteilnahme anführen: Der Männergesangverein Cäcilia Oberforstbach und der Chor St. Cäcilia Schmithof bedauern '...auf Grund der noch bestehenden schwierigen Grenzverhältnisse...' nicht teilnehmen zu können. Sie hatten angenommen, mit dem 1. Januar 1954 Erleichterungen beim Passieren der Grenze vorzufinden. Dem war jedoch nicht so, daher '...können wir leider nicht als geschlossener Kirchenchor teilnehmen.'. An diese Chöre ergeht folgendes Antwortschreiben : '...Wir bedauern sehr, dass Sie an unserem Fest nicht teilnehmen können wegen des für Sie bestehenden Grenzverbots. Wir können Ihnen aber mitteilen, dass wir uns mit unserem Bezirkskommissar in Verbindung gesetzt haben. Von unseren Behörden werden den dortigen Vereinen keine Schwierigkeiten in den Weg gelegt, falls sie die Grenze auf Lichtenbusch oder Sief überschreiten wollen. Sollten Sie durch ‚der wärme Huck' kommen wollen, so werden wir ebenfalls dafür sorgen, dass Sie ungehindert passieren können. Sie müssen sich allerdings mit Ihren Behörden ins Reine bringen, denn von hier aus können wir nichts tun.'
Der Musikverein Kettenis, der hauptsächlich aus Jugendlichen besteht, muss von einer Teilnahme an den Festlichkeiten wegen '...technischer Gründe (zu viele Einberufungen zum Militärdienst)...' absehen.
Der Kirchenchor St. Johann Baptist aus Aachen-Burtscheid wünscht seine Teilnahme am Fest als Familienausflug auszubauen und bittet um Angabe eines Lokals, wo nach der Teilnahme etwa 100-120 Personen in gemütlicher Runde sich zusammenfinden können, evtl. zum nachmittäglichen Kaffee und auch abends zu einem Abendschoppen.
'...auch Ihnen, Majestät...'
Aus Anlass des 100jährigen Bestehens des Chores ergeht ein Schreiben an Ihre Majestät Königin Elisabeth. Hier einige Auszüge : '...Der Gesang Verein ‚Cäcilia' erlaubt sich, auch Ihnen, Majestät, als Beschützerin und Förderin der Schönen Künste von diesem Jubelfest Mitteilung zu machen. (...) Der Verein würde sich glücklich schätzen, wenn Ihre Majestät an diesem so bedeutungsvollen Tage in der Vereinsgeschichte seiner gedenken würde.' Das Antwort-Telegramm des Sekretärs der Königin lautet: 'Bei Gelegenheit des 100jährigen Jahrestages des Gesangvereins Cäcilia, dessen Feier Sie wünschten Ihrer Majestät zur Kenntnis zu bringen, bin ich beauftragt worden, Ihnen die herzlichsten Glückwünsche der Königin für eine weitere künstlerische Betätigung zu übermitteln. (...) Mit Freude (...) wird der Beigeordnete Bezirkskommissar Henri Hoen an den Festlichkeiten teilnehmen." Dr. Hermann Wirtz aus Berlin bedauert, nicht an dem Fest teilnehmen zu können. Er gedenkt gerne des 75jährigen Stiftungsfestes und schreibt: "Mein innigster Wunsch ist es, dass das jetzige dem Verein noch mehr Freude und Genugtuung bringen möge.' Joseph Gilles - ein ehemaliges Mitglied, nunmehr in Köln wohnend - hat sich 'sehr gefreut, dass Ihr an mich gedacht habt, trotzdem es mir selten möglich ist, einmal in die Heimat zu kommen.' Zur Feier selbst muss er dienstlich verreisen und schreibt weiter: 'Zu gerne wäre ich nochmals in Eurem Kreise, um mit den alten und den mir noch unbekannten jungen Sangesfreunden einige schöne Stunden zu verleben.'
Anfang 1958 waren 43 Mitglieder eingetragen, davon 21 Ehrenmitglieder (d.h. Sänger, die 60 Jahre alt und 20 Jahre aktives Mitglied des Vereins waren). Die Altersstruktur war damals schon eindeutig. Es fällt auf, dass zahlreiche Sänger schon seit vielen Jahrzehnten dem Chor angehören und entsprechend fallen die Ehrungen aus. Die Statuten geben hierzu genaue Anweisungen. Zahlreiche Mitglieder werden als Silber- oder Goldjubilar geehrt, viele erhalten die Lambertusmedaille. So wurde am 3. Januar 1960, aus Anlass des 50. Vereinsjubiläums des Ehrenmitglieds und Goldjubilars Karl Knippert ein feierliches Hochamt für alle lebenden und verstorbenen Vereinsmitglieder gehalten.
... eine blöde Versammlung
Damals wurden vierteljährlich Versammlungen abgehalten. Akribisch wurde hier manches zu Protokoll gebracht, das zum Schmunzeln anregt. So moniert ein älteres Mitglied, die abgelaufene Versammlung sei eine "blöde Versammlung gewesen..., wo man den Jeck mit alten Leuten hält." Dass auf einer solchen Versammlung, "laut Verfügung (!) des Vorstandes, ... dem Verein zwei Freibier zugebilligt" wurden, lässt das Formulierungsgeschick des Protokollanten Hans Vonhoff erahnen, der mit viel Witz und Humor auch häufig Büttenreden schrieb und vortrug.
Anmerkungen zu Probebesuch, Pünktlichkeit und Disziplin ziehen sich wie ein roter Faden durch die Protokollniederschriften. Der Präsident fühlte sich häufig bemüßigt, entsprechende Hinweise zu geben und Mahnungen auszusprechen.
Die alljährlichen Dekanatsfeste waren manchmal Pflichtübungen und nicht selten hat der Chor aus Raeren hier wenig Begeisterung an den Tag gelegt.
Mehr als nur Kirchenchor
Die Generalversammlung vom 14. Januar 1961 bedeutet eine Zäsur für den Verein: Präsident und Dirigent treten ab. Richard Peters wird - in geheimer Abstimmung - einstimmig gewählt. Auch der Dirigent und Vereinswirt Albert Radermacher (Möle Albet) gibt sein Amt nach vier Jahren ab, und Karl-Heinz Nussbaum wird sein Nachfolger.
Die 60er Jahre bringen auch die Abkehr von der reinen Kirchenchortätigkeit. Noch 1962 erklärt der Präsident jedoch, er habe "mit dem Herrn Ehrenpräses, Pastor Mommer, Rücksprache genommen... und dass dieser einverstanden sei, einen öffentlichen Unterhaltungsabend mit Tanz zu dulden." Gewiss sind Traditionen zäh und der Umschwung erfolgt nur langsam. So werden die nichtkirchlichen Aktivitäten zahlreicher, und das Hochamt mit seinem von Choral und lateinischen vierstimmigen Messen geprägten Ablauf wird - auch im Zuge des Vatikanischen Konzils - volksnäher gestaltet.
Der regionale Verband für Instrumental- und Vokalensembles Födekam unterstützt die Bemühungen der Chöre des deutschsprachigen Gebietes bei der Öffnung nach außen. Dass 1970 dann eine erste Einstufung der Gesangvereine erfolgte, hat, wenn auch mit viel Mühe verbunden, einen Qualitätsschub einleiten können. Bei der ersten Einstufung der Gesang- und Musikvereinigungen der deutschsprachigen Gegend vom 19. April 1970 wird der Raerener Männerchor auf Anhieb in die zweite Kategorie eingestuft. Im gleichen Jahr erscheint auf Initiative von Födekam eine Langspielplatte, bei der auch der Raerener Cäcilien-Chor mit zwei Beiträgen mitwirkt.
Neuer Schwung
Die Ansprüche an die Qualität der Auftritte wachsen: das Repertoire wird Anfang der 70er Jahre zum großen Teil erneuert.
Auch die Zahl der Neueintritte von jungen, dynamischen Kräften hat dem Chor einen neuen Schwung geben können. Der innere Zusammenhalt im Verein hat sich merklich verbessert. So schreibt Hans Vonhoff in einem Brief vom 12. Januar 1963 an einen Eifeler Pfarrer: "ansonsten kann ich vom Verein berichten, dass noch alles in Ordnung ist. Wir zählen über 40 Mitglieder, haben sehr viel Nachwuchs, die Proben sind gut besucht und auch die Teilnahme an den Aufführungen lässt nicht zu Wünschen übrig."
Die späten 60er Jahre sind auch eine Zeit des gesellschaftlichen Umbruchs, und manches Altbewährte wird in Frage gestellt. Symptomatisch für diese Zeit ist wohl der Eintrag ins Protokollbuch zum 11. Januar 1969: "Da der Verein viele junge Mitglieder hat und diese innerhalb der Führung des Vereins zu wenig vertreten sind, und da man dem Vorstand vorgeworfen hat er sei zu diktatorisch..." werden u.a. auch zwei junge Mitglieder in den Vorstand gewählt.
Mit Stolz vermerkt der Schriftführer im Protokollbuch vom 29. September 1963: "Dekanatsfest in Hergenrath. Der Verein war sehr zahlreich vertreten. Besonders zu erwähnen ist die Tatsache, dass der Dirigent des Kgl. Männerquartetts, Willy Mommer, (...) seine außerordentliche Genugtuung aussprach über die (...) Fortschritte, die der Verein besonders im letzten Jahr in Bezug auf die Feinheiten des Gesangs, des Vortrages und der Klangfarbe gemacht habe. Er gratulierte dem Verein zu seinem tüchtigen Dirigenten, denn schließlich sei es nicht zuletzt dessen Verdienst, dass der Chor immer besser werde."
Die bis dahin übliche geheime Wahl bei der Aufnahme neuer Mitglieder wird abgeschafft.
Die Finanzen des Vereins sehen in dieser Zeit wenig rosig aus. So ist die Kollekte auf der Orgelbühne während des Hochamts zwar für den Chor bestimmt, aber der Präsident glaubt anregen zu müssen, "...in Zukunft die gelochten und die unansehnlichen Münzen anderweitig zu verwerten und nur solide Geldstücke zu spenden."
Ein Jahresüberschuss von 86,75 Franken, der zur Generalversammlung am 8. Januar 1966 vermeldet wird, gibt sogar Anlass zur Freude.
Ende 1964 kriselt es. Zeitweilig tritt der Präsident von seinem Amt zurück. Die Teilnahme am Dekanatsfest wird abgesagt. Anfang 1965 steht das Barometer auf Sturm und der Dirigent legt sein Amt nieder. Als neuer Dirigent kann dann Ferdinand Plum gewonnen werden, der sogleich neues Notenmaterial bestellt und somit die Richtung der Chorliteratur grundlegend verändert. Ein erster Ball mit Gesangseinlagen unter dem neuen Dirigenten im Bergscheider Hof wird ein voller Erfolg. So wird im Protokollbuch vermerkt: "Unser Dirigent präsentierte sich als Solist in dem Lied ‚Funiculi', ferner mit ‚Granada' und ‚Ein Lied geht um die Welt'. Der lang anhaltende Beifall bewies, dass es allen Gästen gut gefiel."
Auch sonst gibt es so manche Veränderung im Verein: Das Probelokal, bisher "Zur Mühle", wird in den Bergscheider Hof verlegt. Die jungen Mitglieder Freddy Schlenter, Michel Fuhrt, Reinhold Meessen und Herbert Radermacher nehmen zum erstenmal mit einem Wagen am Karnevalszug teil. Der bisher samstags stattfindende Probetag wird auf den Freitag verlegt. Konzertauftrittsmappen werden angeschafft. Die bis dahin so erfolgreichen Aufführungen der Theatergruppe werden jedoch nicht mehr fortgeführt.
Die überregionalen Verpflichtungen werden zahlreicher: so ist der Chor am 12. März 1967 Ehrengast beim Festakt zum Jubiläum des Erler Kinderchores in Gelsenkirchen. Vor großer Kulisse (über 500 Zuhörer) kann der Raerener Chor in einer Hochburg des Gesangs bravourös bestehen. Im Vorfeld dieses Besuchs heißt es aber im Protokollbuch: "Ein Vorschlag, ein französisches Lied einzustudieren, wird abgelehnt, da ein Drittel des Vereins Schwierigkeiten haben würde, dies einzustudieren."
Höhepunkt der Bemühungen in dieser Zeit wird der Auftritt bei einem Drei-Länder-Konzert im Alten Kurhaus in Aachen am 2. Juni 1972. Von der Presse wird dem Chor hiernach höchstes Lob ausgesprochen.

Chronik 1973 bis heute

Die Jahre mit Paul Derwahl (1973-1993)
1973 wurde Paul Derwahl als neuer Dirigent engagiert. Es war auch das Jahr erster bescheidener Annäherungen zwischen dem Männergesangverein und dem Kgl. Handwerker-Gesangverein, dessen Dirigent ebenfalls Paul Derwahl zu diesem Zeitpunkt war. Beim Herbstkonzert des Gesangvereins "Cäcilia" wurden beide Chöre von Paul Derwahl dirigiert. Der mit Spannung erwartete Auftritt erwies sich als recht gelungen. So bescheinigte der Journalist der Aachener Volkszeitung dem Verein "ausgeprägte Interpretation, eine fast perfekte Diktion und gut abgestimmte Dynamik". An anderer Stelle seines Beitrages wagte er sogar zu spekulieren: "Denkbar wäre eine Zusammenarbeit von ‚Handwerker' und MGV Cäcilia für ein großes leistungsfähiges Ensemble".
Das Jahr 1974 diente der Neuorientierung des Vereins: Zahlreiche neue Chorwerke wurden angeschafft und einstudiert. Neue Mitglieder konnten gewonnen werden. Eine zweitägige Ausfahrt nach Paris sollte ein Ausgleich zur harten Probearbeit dieses Jahres sein: Die Mitfahrerliste enthielt 99 Namen und bezeugt, dass diese vom Chor organisierten Ausfahrten sich immer noch eines guten Zuspruchs erfreuten. Ständchen im Garten von Versailles oder vor Sacré-Coeur lassen erkennen, dass auch spontane Darbietungen die Sänger nicht abschrecken. Zum Herbstkonzert überraschte das völlig neue Repertoire, das der Chor vortrug. Besonders die Stücke "Milenka travicka", in einer Bearbeitung des Dirigenten, und die "Landerkennung" von Grieg begeisterten die Zuhörer. Der Neuanfang mit Paul Derwahl konkretisierte sich besonders auch in der Initiative "Weihnachten in der Gemeinde", die auf Anhieb großen Anklang bei der Raerener Bevölkerung fand: Bei weihnachtlicher Stimmung konnten die vier großen Raerener Musikensembles am vierten Adventssonntag 1974 eine Erfolgsstory einläuten, die auch heute noch nichts von ihrer Attraktivität verloren hat.
--------------------- RAHMEN: Weihnachten in der Gemeinde
Im diesjährigen Jubeljahr jährt sich zum 30. Mal eine Initiative des MGV Cäcilia aus dem Jahre 1974: die Veranstaltung "Weihnachten in der Gemeinde". Zur Premiere schrieb das Grenz-Echo damals: "Glücklich die Gemeinde, in der Chorgesang und Musik mit solcher Liebe und Begeisterung gepflegt werden, wie es in Raeren seit Jahren der Fall ist. Das einstige Töpferdorf zählt etwa 3600 Einwohner, es ist erstaunlich, dass sich in einer solchen Gemeinde drei Chöre und eine Harmonie großen Zuspruchs erfreuen. (...) Die Idee, alle Chöre einmal zu einem großen Gemeinschaftschor zu vereinen, ist zwar nicht brandneu, jedoch fehlte bisher immer die notwendige Initiative und Courage, eine solche Idee in die Wirklichkeit umzusetzen." Unser damals neu eingeführter Chor-Dirigent Paul Derwahl, Direktor der Musikakademie Eupen-Bütgenbach, gleichzeitig auch Dirigent des Kgl. Handwerker-Gesangvereins, fasste den Mut, diese Idee zu verwirklichen, die sogleich bei allen anderen Vereinen auf fruchtbaren Boden fiel. In den einzelnen Gruppen wurde sogleich mit der Arbeit begonnen und bei einer ersten Gemeinschaftsprobe bildete sich ein großartiges Ensemble aus über 150 Sänger und Musikern. Mitwirkende bei dieser ersten Feier waren: der Raerener Kinderchor (Leitung Bruno Hellemanns), der Kgl. Handwerker-Gesangverein (Leitung Paul Derwahl), der MGV Cäcilia (Leitung Paul Derwahl ), der Kgl. Harmonie-Musikverein (Leitung Josef Zilles) sowie als Solisten Kurt Dennert (Tenor) und Karl Emontspohl (Violine). Bild 7 Feier 'Weihnachten in der Gemeinde' zu Beginn der 80er Jahre. Erkennbar sind v.l.n.r. Leo Kalff (nur zur Hälfte), Hermann-Josef Schaffrath, Oswald Creutz, Hubert Laschet, Freddy Schlenter, Georges Lampertz, Hubert Sparla, Alfred Ossemann, mit dem Rücken zum Publikum Paul Derwahl, Michel Fuhrt, Hans Reul und Heinz Chaineux. --------------------- Die zweite Einstufung der Chöre war für Juni 1975 angesetzt: Pflichtwerke, Wahlwerke und Repertoirewerke sollten vor einer Jury vorgetragen werden. Mit großem Mut wurde das Pflichtwerk der höchsten Kategorie - "Eine lichte Mitternacht" von Paul Hindemith - in Angriff genommen. Nur drei Männerchöre (Rechter Männerquartett, Kgl. Marienchor Eupen und Gesangverein Cäcilia Raeren) stellten sich in dieser Kategorie der Jury. Mit 88,66% wurde der Chor in dieser Kategorie eingestuft. Ein "vortrefflicher Chorklang" wurde von der Jury bescheinigt. Insgesamt eine beachtliche Leistung in relativ kurzer Zeit. Dass dieser Erfolg auch - willkommene - finanzielle Vorteile durch die Bezuschussung nach sich zog, wurde mit Zufriedenheit registriert. Mehrere vielbeachtete Auftritte folgten in kurzen Abständen und auch die ausländische Presse war voll des Lobes. Auch die folgenden Jahre waren "gute" Jahre für den Chor und zahlreiche vielbeachtete Auftritte im In- und Ausland zeugen von der insgesamt recht ordentlichen Arbeit von Chor und Dirigent. Sicher hat es auch hin und wieder Probleme gegeben und die Motivation der Sänger war nicht immer die Beste. So beobachtete der Dirigent nach den vielen Erfolgen der letzten zwei Jahre "einen gewissen Stillstand ja sogar Rückgang" und mahnte regelmäßige Probenteilnahme an, damit das Niveau des Chores gehalten oder gesteigert werden könne. Das Jahr 1979 war das Jahr des 125jährigen Bestehens des Chores und es zeigte sich u.a. bei den Konzerten, dass die Wandlung vom reinen Kirchenchor zu einem modernen, begeisterungsfähigen und begeisternden Chor gelungen war. -------------------- RAHMEN: "Ein gutes Beispiel" Im Jahr 1979 feierte der Chor sein 125jähriges Bestehen. Am 13. Oktober wurden die Jubelfeiern mit einem großen Gala-Konzert unter der Mitwirkung des Symphonie-Orchesters 'Nova', Aubel, unter der Leitung von Jean-Marie Cremer, und mehrerer Solisten im Bergscheider Hof eröffnet. Am 10. November fand, ebenfalls im Bergscheider Hof, ein Gemeinschaftskonzert mit Musik und Gesang statt, zu dem die Raerener Vereine und der Gastchor "Sängertreu" aus Bergisch-Gladbach eingeladen waren. Den Abschluss bildet am 25. November das Festhochamt in der Pfarrkirche, bei dem der Chor die Deutsche Messe mit Bläserbegleitung zu Gehör brachte. Hier einige Zitate, den Texten der Presseankündigungen der Feierlichkeiten entnommen : 'Unsere Väter haben uns damals, vor 125 Jahren, ein gutes Beispiel gegeben, ein Beispiel, das heute noch in uns wirkt'; 'Gesang ist seit Urzeiten eine hervorragende Gemütsäußerung des Menschen in glücklichen, besinnlichen aber auch in traurigen Stunden' und 'Wir werden auch weiterhin Symbol der Lebensfreude und Inbegriff einer frohen Sängerschar sein und bleiben'. -------------------- Auf der Jahresversammlung am 7. März 1980 trat Richard Peters als Präsident zurück. Fast 20 Jahre lang hatte er den Verein geleitet und entscheidend dazu beigetragen, dass der Verein, im Verbund mit dem Dirigenten, zu einem vielbeachteten musikalischen Ensemble geworden war. An seiner Stelle wurde Hubert Laschet zum Präsident gewählt. Zwei Ereignisse ragten aus den Verpflichtungen des Jahres 1980 heraus. In Eupen und in Bütgenbach fanden Aufführungen einer komisch-phantastischen Oper in drei Akten statt. Walter Meessen zeichnete verantwortlich für "Die lustigen Weiber von Windsor", nach Shakespeare, Musik von Otto Nicolai. Zahlreiche Studenten der Gesangsklasse aus Raeren, darunter auch einige Chormitglieder, waren in das szenische Geschehen mit eingebunden. So übernahm unser Bassist Karl Crott die Rolle des Wirts. --------------------- RAHMEN Der Chor und Karneval Die Prinzen des MGV: Hubert Laschet, Kunibert Peters, Peter Steffens und Oswald Creutz. Die Büttenredner des MGV: Hans Vonhoff, die Tramps" (Michel Fuhrt, Hubert Laschet, Freddy Schlenter). Bild 1 Prinzenproklamation von Peter Steffens im Jahr 1985. Im Hintergrund: Prinz Peter mit seinen Pagen. Vorne, mit Hut und Schal, v.l.n.r. Leo Kalff (nur zur Hälfte), Hans Wollenweber, Exprinz Oswald Creutz, Hermann-Joseph Schaffrath, Hermann Heyll, Paolo Miribung, Karl Emontspohl, Alphonse Renardy, Exprinz Kunibert Peters und Ludwig Huppertz. ---------------------
Im September ging eine Ausfahrt an die belgische Küste. In der Sint-Rochus Kirche von Blankenberge konnte der Chor vor ca. 600 Gläubigen sein Können unter Beweis stellen. Besonders das mächtige "Pater Noster" von Kedroff hatte es den Menschen angetan, wie aus den Kommentaren zu ersehen war.
Der Chor und Karneval
Dass der Chor nicht nur beim Singen das kulturelle Leben des Dorfes mitgestaltete, sondern auch jahrelang den Raerener Karneval mit bestimmte, zeigt die Tatsache, dass alleine vier Prinzen aus den Mitgliedern des Männergesangvereins hervorgingen. Ebenso waren jahrelang einige hervorragende Büttenredner aus den Reihen der Sänger auf der karnevalistischen Bühne aktiv. Als gesamter Chor waren die "Raerener Hofsänger" bei den Prinzenproklamationen immer wieder gern gesehene Gäste.
Bild 1 Prinzenproklamation von Peter Steffens im Jahr 1985. Im Hintergrund: Prinz Peter mit seinen Pagen. Vorne, mit Hut und Schal, v.l.n.r. Leo Kalff (nur zur Hälfte), Hans Wollenweber, Exprinz Oswald Creutz, Hermann-Joseph Schaffrath, Hermann Heyll, Paolo Miribung, Karl Emontspohl, Alphonse Renardy, Exprinz Kunibert Peters und Ludwig Huppertz.
Bild 1 Prinzenproklamation von Peter Steffens im Jahr 1985. Im Hintergrund: Prinz Peter mit seinen Pagen. Vorne, mit Hut und Schal, v.l.n.r. Leo Kalff (nur zur Hälfte), Hans Wollenweber, Exprinz Oswald Creutz, Hermann-Joseph Schaffrath, Hermann Heyll, Paolo Miribung, Karl Emontspohl, Alphonse Renardy, Exprinz Kunibert Peters und Ludwig Huppertz.
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Die 'Tramps' im Jahr 1982: v.l.n.r. Freddy Schlenter, Hubert Laschet, Michel Fuhrt.
Bild 4 Die 'Tramps' im Jahr 1982: v.l.n.r. Freddy Schlenter, Hubert Laschet, Michel Fuhrt.
Das Jahr 1982 wurde ein bewegtes und bewegendes Jahr für den Chor, mit zahlreichen Auftritten und vielen Erfolgen. Besonders drei Auftritte seien hier stellvertretend genannt: Das Konzert in Sint-Amands an der Schelde (28.8) blieb lange in guter Erinnerung. Die flämische Presse war voll des Lobes über die Darbietungen des Chores. Kommentar in einer örtlichen Zeitung: "Menig beroepsgeselschap zou met verbazing opkijken en luisteren naar wat deze groep vokaal ten beste geeft. (...) een uniek kerkkonsert met alleen maar hoogtepunten." (Manche professionelle Vereinigung würde mit Erstaunen darauf schauen und hören, was dieser Verein vortrug... - ein einmaliges Kirchenkonzert mit lauter Höhepunkten). Auch im wallonischen Teil des Landes konnte der Chor sich positiv bemerkbar machen, so in Verviers, wo im Mai bei der "Fête des Amateurs" zahlreiche und künstlerisch ganz unterschiedliche Gruppen ihr Können zeigten. In Amay fand im November ein großer Gesangwettstreit statt bei dem der Chor sehr ehrenvoll abschnitt: er errang bei diesem 1.Wallonischen Wettstreit der Chöre gleich den ersten Preis mit einer Bewertung von 90%, mit Sonderpreis der Jury und mit Trophäe des Bürgermeisters von Amay. Höhepunkt im Schaffen des Jahres 1982 war unstreitig der Erfolg beim Einstufungswettbewerb. Der Chor, der sich für die Exzellenzklasse angemeldet hatte, wurde hier mit 85,83% bestätigt: Zwei Chorwerke von besonderem Kaliber ("Sonnengesang" von Desch und "Eine lichte Mitternacht" von Hindemith) konnten bravourös gemeistert werden. Dieser Erfolg war wohl ein Höhepunkt in der Geschichte des Chores und in dem nunmehr zehnjährigen Wirken des Dirigenten.
Im Jahr 1983 wurde der gesamte Chor für die komische Oper "Der Waffenschmied" von Lortzing eingesetzt. Der Chor der Schmiedegesellen trat mehrere Male, so auch am 8. Mai im Bergscheider Hof in Raeren, auf und diese Aktivität erforderte in dieser Zeit viel Arbeit. Diese von Walter Meessen einstudierte und inszenierte Oper wurde ein großer Erfolg: Der Applaus zum Schluss, der "ovationsartige Dimensionen annahm", galt sicherlich auch den "gut einstudierten Chören der Schmiedegesellen".
Dass der Chor auch in diesen Jahren rege zum kulturellen Geschehen in der Gemeinde Raeren und in der näheren Umgebung beitrug, das belegen die zahlreichen Aktivitäten die in den Tätigkeitsberichten genannt werden. Hervorheben sollte man die Zusammenarbeit mit den kulturellen Vereinigungen des Dorfes; so lesen wir etwa immer wieder über Auftritte bei Jubelabenden, bei Konzerten. So auch zum "Europäischen Jahr der Musik 1985", wo alle kulturelle Vereine der Gemeinde gemeinsam ein anspruchsvolles Programm auf die Beine stellten. Diese mit viel Vorarbeit, koordiniert von Marc Komoth, durchgeführte Veranstaltung fand am 15. September 1985 im Bergscheider Hof statt. Sie sollte zeigen, wie vielseitig Musik ist, und sie sollte die "offene Begegnung und ehrliche Konfrontation der verschiedenen Musikrichtungen" ermöglichen. Es wurde ein voller Erfolg. Gemeinschaftsminister Fagnoul und Kulturhauptinspektor Pauquet waren voll des Lobes: Diese sei die weit aus beste aller in Ostbelgien aus Anlass des Jahres der Musik durchgeführte Veranstaltung gewesen.
Das Jahr 1986 war trotz beeindruckender Erfolge bei vielen Konzerten eindeutig auf die Einstufung der Chöre im November in Walhorn ausgerichtet. Die Enttäuschung war riesengroß, als man von der Abstufung in die 1. Kategorie erfuhr. Jedoch wollte man sich nicht unterkriegen lassen und mit neuem Elan in das Jahr 1987 einsteigen.
Dies war jedoch leichter gesagt als getan. Schlecht besuchte Proben und sogar die Androhung vom Rücktritt des Dirigenten mussten überwunden werden. Ein Appell des Präsidenten brachte das schlingernde Schiff aber wieder auf Kurs. So kam der Ausflug nach Idar-Oberstein zum richtigen Zeitpunkt und brachte die nötige Abwechslung und den erforderlichen Motivationsschub. Bei der Generalversammlung am 18. Februar 1988 trat Hubert Laschet nach acht Jahren als Präsident zurück. Die Nachfolge übernahm Ludwig Huppertz, der mit großer Mehrheit gewählt wurde.
Auch die nächsten Jahre waren recht erfolgreich. Viele Auftritte bei so manchen Gelegenheiten zeugten davon, dass der Chor im kulturellen Leben unserer Heimat einen festen Platz inne hatte und immer wieder bei seinen Auftritten zu begeistern wusste. Hervorzuheben bleibt vor allen Dingen die Darbietung in Neuerburg, in der deutschen Südeifel, im Rahmen des dortigen "Musikalischen Sommers 1989". Der Chor hat hier überzeugende Singkultur bewiesen. Die zahlreichen Zuhörer waren von den Darbietungen überzeugt. "Mit geradezu frenetischem Applaus wurde der Chor zum Weitersingen aufgefordert", hieß es in einem Presseausschnitt. Ein anderer Höhepunkt war wohl die gemeinsame Interpretation von Auszügen der "Carmina Burana" von Carl Orff durch den MGV Cäcilia Raeren , den Cäcilienchor St. Nikolaus Eupen und die Royale Harmonie Ste. Cécile aus Gemmenich, dies aus Anlass des 139. Stiftungsfestes des Eupener Chores im Jünglingshaus.
Bei "125 Jahre Marienheim" hat auch unser Chor tatkräftig mitgeholfen und mitgestaltet, so wie er dies zu verschiedenen Anlässen dort getan hat und auch heute noch regelmäßig tut. Zum 25jährigen Priester- und Ortsjubiläum von Robi Kohnenmergen wurde eine neue Messe einstudiert.
Die Einstufung der Chöre im November 1990 traf die chorische Landschaft Ostbelgiens wie ein Paukenschlag. Das Grenz-Echo sprach von einer "Ohrfeige für Ostbelgiens Chorwesen", ja sogar von Mauschelei war die Rede. Sieben Ensembles wurden zurückgestuft, so auch unser Chor, der in die zweite Kategorie absank. Dies war ein bitterer Rückschlag und trotzdem sollte das Vereinsleben in geordneten Bahnen weitergehen - so zumindest der Wunsch des Vorstands in einem Brief vom 20. November an die Sangesfreunde. Das Unbehagen artikulierte sich auf der Generalversammlung vom 25. Januar 1991, wo über verschiedene Vorschläge zur Steigerung der Motivation gesprochen wurde.
Die Zahl der Auftritte ging trotzdem immer weiter zurück. Waren es 1991 noch 13 Auftritte, davon drei auswärtige, so gab es für den Chor 1992 nur noch zehn Auftritte. Auch die Zahl der Mitglieder reduzierte sich auf 27 und es musste zunächst hier für Abhilfe gesorgt werden. Eine Werbeaktion im Herbst 1992 richtete sich an jüngere Männer, blieb leider jedoch ohne Erfolg. Im Rahmen des Herbstkonzertes im Oktober 1993 wurde Paul Derwahl für die inzwischen 20jährige künstlerische Zusammenarbeit mit dem MGV Cäcilia geehrt. Zum Ende des Jahres verabschiedete sich Paul Derwahl vom Verein und trat als Dirigent zurück.